Durch die typische Arbeit als Pflegekraft bleibt körperliche Nähe zum Patienten nicht aus. Es kommt in verschiedensten Momenten zu intimen Situationen. So entsteht zum Beispiel beim Transfer körperliche Nähe, bei der Körperpflege berühren Pflegekräfte intime Stellen und sehen ihn/sie nackt. Für eine Pflegekraft heißt das: professionelles Handeln und Alltag.

Für den Patienten hingegen gibt es Intimität dieser Form nur in sehr persönlichen Situationen und Beziehungen. Sexuelle Annäherungsversuche sind daher keine Seltenheit und erfordern konsequentes Verhalten der Pflegekraft. Orientierte Patienten sollten Sie direkt deutlich machen, dass ein Verhalten in diese Richtung in keiner Art und Weise toleriert wird. Machen Sie dies dem Patienten sofort klar, dass er die entsprechende Distanz wahren soll.

Folgende Tipps können beim Umgang mit schwierigen Patienten helfen:

  • Gehen Sie nicht (wie sonst vielleicht üblich) auf Scherze ein

  • Suchen Sie bestimmten Blickkontakt und wenden sich genauso gezielt wieder ab

  • Nutzen Sie Ihre Mimik (neutraler Blick)

  • Sprechen Sie in kurzen Sätzen und informieren Sie den Patienten über ihre Handlungen in Fachsprache

  • Ziehen Sie, wenn nötig übergriffigen Patienten einen weißen Kittel oder Kasack an

Übergriffige Patienten

Sollte Sie bereits Erfahrungen mit übergriffigen Patienten (verbal oder physisch) haben reagieren Sie sofort. Machen Sie dem Pflegekunden sofort klar, dass es so nicht geht. „Herr XY, Ihre schlüpfrigen Scherze können Sie sich sparen.“ – hier ist besonders die Art und Weise wichtig. Seien Sie ernst und strikt. Sollte dies nicht reichen suchen Sie expliziert das Gespräch und verdeutlichen dem Patienten erneut Ihren Standpunkt.

Sollten auch diese kommunikativen Versuche persönlich mit dem Patienten nicht wirken wenden Sie sich an Ihren Vorgesetzten. Wenn nötig lehnen Sie die Pflege des Patienten ab.

Typische Situationen für sexuelle Übergriffe

Situation 1: Der Patient möchte nicht vom Gegengeschlecht gepflegt werden.

Lösung

Klären Sie im Pflege-Team gemeinsam wie Sie eine Lösung herbeiführen können. Zeigen Sie definitiv Verständnis für die Wünsche des Pflegekunden.

Situation 2: Auch männliche Pflegekräfte erhalten von Pflegekundinnen hartnäckige sexuelle Angebote.

Lösung

In den meisten Pflegebetrieben gibt es mehr weibliche als männliche Pflegekräfte und ebenso mehr weibliche Pflegepatienten als männliche. Die einfachste Lösung wäre es, eine weibliche Pflegekraft der zu Übergriffen neigenden Pflegekundin zuzuweisen.

Situation 3: Weiblich Pflegekräfte haben Hemmungen männliche Pflegekunden zu pflegen, äußern dies aber nicht deutlich.

Lösung

Sprechen Sie ihren Vorgesetzten an. Zusammen kann geklärt werden, ob die Dienstplanung so gelingen kann, dass die direkte Körperpflege bei männlichen Pflegekunden vermieden werden kann. Bleiben Sie hartnäckig in diesem Wunsch und erinnern Sie Ihren Vorgesetzten notfalls.

Situation 4: Durch die Nähe bei der Körperpflege werden Pflegekunden sexuell erregt.

Lösung

Diese Situation in meist für beide Seiten sehr unangenehm. Diese willkürlichen, nicht steuerbare Situationen passiert immer wieder mal. In diesem Fall unterbrechen Sie die Pflege und erklären in neutraler Stimme, dass Sie die Pflege in einigen Minuten fortsetzen werden und verlassen den Raum.

Spezialfall: Demenzkranke

Für demenzielle Patienten gilt ein etwas anderes Verhalten als für voll orientierte. Es kann vorkommen, dass die Patienten Sie unbewusst als gleichaltrige potenzielle Partnerin ansehen. Respektieren Sie daher die tiefen und innigen Gefühle des Patienten. Auch demenziell Erkrankten haben das Bedürfnis geliebt zu werden.

Sexuelle Annäherungsversuche von demenzkranken

Demente Patienten sind im Normallfall nicht auf direkten sexuellen Kontakt ausgerichtet. Viel mehr besteht in Ihnen das Bedürfnis nach Nähe und Zärtlichkeit. Bleiben Sie daher ruhig und machen Sie deutlich, dass Sie nicht angefasst werden möchten.

Sollten die Annäherungsversuche unaufdringlich bleiben reagieren Sie cool und ebenfalls charmant. Freuen Sie sich über den netten Umgang mit dem Patienten und reagieren nett. Machen Sie dem Patienten aber keine ernsthaften Hoffnungen indem Sie übermäßig zurückflirten.

Anmerkung: Diese Anregungen beziehen sich nicht auf Krankheitsbilder, die mit einer sexuellen Enthemmung einhergehen, wie z. B. frontotemporaler Demenz.